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Koscher Essen - ein Besuch im Restaurant der Jüdischen Gemeinde in Stuttgart

Von Pfarrbuero | 14.12.15

koscher-essen-7.JPGkoscher-essen-5.JPGkoscher-essen-4.JPGkoscher-essen.JPG“Baruch ata adonai elohenu melech ha olam ” - So beginnt der Segensspruch, den Kantor Arie Mozes über den Wein sprach, als eine 34-köpfige Gruppe der ökumenischen Erwachsenenbildung im Jüdischen Restaurant in Stuttgart zu Besuch war. Nicht nur Plochinger waren mitgekommen, auch viele Interessierte aus der Umgebung hatten sich einladen lassen.  

Eine zeitraubende Ausweiskontrolle am Eingang vermittelte eine Vorstellung davon, in welcher Anspannung die Jüdischen Gemeinden zurZeit leben und wie intensiv daher die Sicherheitsvorkehrungen sein müssen.  

Die Jüdische Gemeinde ist, anders als man es von christlichen Kirchengemeinden her kennt, ein einziger Gebäudekomplex, der sowohl das Rabbinat, als auch die Verwaltung, einen jüdischen Kindergarten, die jüdische Grundschule, eine Bibliothek, die Synagoge und ein jüdisches Restaurant unter einem Dach vereinigt.Pfarrer Dr. Joachim Hahn war als Referent mitgekommen und wies während seiner Einführung im Vorraum der Synagoge auf einige Bilder hin, die an die alte, 1938 zerstörte Synagoge erinnern, die am selben Platz gestanden hatte wie die heutige, 1952 erbaute Synagoge. 

Anschließend erklärte er im Synagogenraum den Aufbau und die Ausrichtung des Bauwerks und übersetzte die Inschriften an der Brüstung der Frauenempore, wo in hebräischen Buchstaben die Namen der zwölf Stämme Israels zu lesen sind. Im Vergleich zu christlichen Kirchen ist eine Synagoge eher schmucklos. Eine Ausnahme bildet der Toraschrein. Dieser ist mit einem reich bestickten Vorhang verdeckt und diesen dürfen nur jüdische Männer, die die Berechtigung dazu haben, öffnen. Deshalb musste sich die Gruppe mit einem kleinen Modell einer Torarolle begnügen. Wie groß eine solche Rolle ist, konnte man sich aber gut vorstellen, wenn man die dafür bestimmte Ablagefläche an der Bima, dem Vorlesepukt, betrachtete. 

Nachdem viele Fragen gestellt und beantwortet worden waren, ging es schließlich ins Restaurant zum Essen. 

In Stuttgart ist Arie Mozes gleichzeitig Kantor der Gemeinde und Pächter des Restaurants. In dieser Doppelfunktion begrüßte er die Gruppe und führte sie in die Grundsätze der koscheren Speisevorschriften ein. Dass es verboten ist, Fleisch und Milch gleichzeitig zu sich zu nehmen, ist wohl bekannt. Kantor Mozes wies aber auf Feinheiten hin, die für unser Verständnis zunächst fremd sind, durch die Erklärung aber sofort einleuchteten: Beispielsweise gibt es - obwohl mineralische Stoffe vom Grundsatz her koscher sind -  auch Salz, das nicht koscher ist. In diesem Fall ist die Frage relevant, mit welchem Trennmittel verhindert wird, dass die Salzkörner zusammenkleben. Außerdem erläuterte er dass nur Fische, die gleichzeitig Schuppen und Flossen haben, als koscher gelten. Aale beispielsweise haben Flossen, aber keine Schuppen, sind also nicht koscher. Gleiches gelte für Fische mit Schuppen, aber ohne Flossen. Arie Mozes meinte augenzwinkernd, dass eine solche Fischart zwar bisher noch nicht entdeckt worden ist, die jüdischen Gelehrten hätten aber vorbeugend schon die Regelung getroffen haben, falls irgendwann doch einmal eine flossenlose Schuppenart gefunden wird.  

Als Vorspeise erwartete die Besucher/innen “gefillter Fish” - eine Art Klöße aus püriertem Fischfilet und Gemüse, garniert mit Rote-Beete-Meerrettich, als Hauptgang ein israelischer Spezialitätenteller, bestehend aus Hummus (Kichererbsenmus), Tchina (Sesampaste), Falaffel (Kichererbsenbällchen) und Salat nach israelischer Art (Gurken und Tomaten kleingewürfelt und mit Zitronensaft und Gewürzen angemacht). Zum Nachtisch wurde Eis gereicht, das wie  ganz “normale” Eiscreme aussah und auch schmeckte. Zur Überraschung der Gäste verriet Herr Mozes, das das Eis keinen Tropfen Milch enthielt. Weil das Restaurant eine sogenannte “fleischige” Küche hat, darf keine Milch verwendet, sondern muss auf Sojamilch ausgewichen werden. 

Nach einem sehr informativen, geistig und körperlich sättigenden, Abend wurde das Fazit gezogen, dass Unbekanntes, sobald es verstanden wird, durchaus eine Bereicherung sein kann. Für das Essen gilt dies in gleicher Weise wie für alle anderen Bereiche des Lebens.

Themen: Berichte, Gemeindeleben/Ökumene, Allgemeines |