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Exerzitien im Alltag mit Corona

Von Pfarrbuero | 27.03.20

Kurze Einführung

Herzlich willkommen zu unseren Exerzitien im Coronalltag. Schön, dass sie sich die Zeit nehmen, in dieser außergewöhnlichen Situation, den Glauben zu üben. Das bedeutet das Wort Exerzitien. Wir üben vielfältige Formen des Gebets, um die Gegenwart Gottes aufzuspüren.

- Aus Erfahrung ist es hilfreich, mir am Tag eine feste Zeit zu reservieren und einen Ort herauszusuchen, an dem ich ungestört bin. Es kann helfen, diesen Ort zu gestalten, beispielsweise mit einer kleinen Kerze, einem Kreuz oder einer Ikone. Auf diese  Weise stelle ich mich auf die Begegnung mit Gott ein.

- Ich beginne mit dem Kreuzzeichen oder einer Verneigung (Ich setze den Anfang).

- Ich öffne mich für Gott im Anfangsgebet

- Ich nehme mir eine kurze Zeit für die Stille. Dabei achte ich bewusst auf meinen Leib. Ich nehme wahr, wie ich auf meinem Stuhl oder Gebetsschemel sitze, von den Füßen bis zum Kopf. Ich achte auf die Verspannungen in meinem Leib und entspanne mich. Ich atme bewusst und konzentriere mich darauf, wie durch meine Nasenflügel bis in den Bauch strömt und wie ich wieder ausatme.

- Nun beschäftige ich mich mit dem Impuls.

- Am Ende beschließe ich meine Übungszeit mit dem Vaterunser, dem Segensgebet, dem Kreuzzeichen oder einer Verneigung vor dem Kreuz.

Anfangsgebete

Herr, ich sitze vor Dir, aufrecht und entspannt. In diesem Augenblick lasse ich all meine Pläne, Sorgen und Ängste los. Ich lege sie in Deine Hände. Herr, ich warte auf Dich. Du kommst auf mich zu. Du bist in mir, durchflutest mich mit deinem Geist. Du bist der Grund meines Seins. Öffne mich für Deine Gegenwart, damit ich immer tiefer erfahre, wer Du bist und was du von mir willst. Amen.

JOSEF MAYER

Mein Herr und mein Gott. Nimm alles von mir, was mich hindert zu Dir! Mein Herr und mein Gott. Gib alles mir, was mich fördert zu Dir! Meine Herr und mein Gott. Nimm mich mir und gib mich ganz zu eigen Dir!

Klaus von der Flüe

Ganz ruhig, alles fällt ab von mir. Nichts ist mehr wichtig. Ich bin da und ich spüre mich. Gedanken kommen und gehen. Ich bin da, sie gehen durch mich hindurch. Ich lasse los. Ich horche und schaue, werde empfindsam für das Leben. Ich bin da und ahne Dich. Ich bin da. Ich bin Leben. Lebe den Augenblick. Ich bin vor dir, in dir, mit dir, aus dir.

Aus: Anselm Grün, Andrea Schwarz, Und alles lassen, weil Er mich nicht lässt

Manchmal träume ich, Herr, von einem neuen Herzen. Ein Herz ersehne ich mir, das sich ganz an dich verliert, ein Herz, das für dich brennt, und deinen Willen liebt, ein Herz voll Vertrauen, ein Herz, in dem Raum ist für die Leidenden, ein Herz, das sich nicht ängstlich einmauert, sondern wagt, seine Verwundbarkeit anzunehmen, weil es aus deiner heilenden Liebe lebt. Ein Herz. das mitten im Lärm deine Stimme erkennt, in dem dein Lobpreis lebendig ist. Lass mich nicht müde werden, mein Gott, ein solches Herz von dir zu erbitten.

 Aus: Sabine Naegeli, Du hast mein Dunkel geteilt

 

Segensgebete

Gottes Macht halte dich aufrecht, Gottes Auge schaue für dich, Gottes Ohr höre dich, Gottes Wort spreche für dich,          Gottes Hand schütze dich.

Irischer Segenswunsch

Möge ein Engel dir zur Seite stehen, wenn die Decke brüchig wird, wenn Stürme aufziehen und dein Lebenshaus erschüttert wird. Auf dass du bewahrt bist und unversehrt bleibst, selbst wenn um dich herum doch alles einstürzt.

Irischer Segenswunsch

Ein Dach

Ein Dach, das schützt – wenn die Strahlen der Sonne wie Feuer brennen. Ein Dach, das den Regen abhält, wenn der Himmel seine Schleusen öffnet. Ein Dach, das Schneeflocken auffängt – wenn sie lautlos das Leben einfrieren. Ein Dach, das euch birgt – wenn ihr Ruhe braucht in den Stürmen des Lebens. Ein Dach, unter dem ihr Menschen findet, die euch verstehen – wenn ihr Blicke braucht, die wärmen, und Hände, die euch hüten. Das gewähre euch der Gott, der uns den Himmel geschenkt hat als Dach, das schützen will vor allem Bösen und das birgt am Tag der Angst…Amen.

Herbert Jung, Gesegnet sollst du sein, S. 52

Segenswunsch

Gottes liebende Nähe fange dich auf wo du am Ende bist. Sein Trostwort möge dich finden wo es um dich dunkel wird. Er richte dich auf, wo Lasten dich zu Boden drücken. Er sei dir Halt,  wenn alles fraglich wird. Gottes Engel mögen um dich sein, von Augenblick zu Augenblick.

 Aus: Antje Naegeli, Umarme mich; Gebete voller Hoffnung.

Erster Impuls 23.3.

Stoßgebet

Bevor wir mit dem ersten Impuls beginnen bitte ich Sie, kurz zu überlegen: was ist für mich das Gebet? …… Die Antwort ist gar nicht so einfach. Vermutlich lautet die erste Antwort: reden mit Gott, sprechen zu Gott. Das stimmt, ist aber nicht alles. Die Versuchung ist ja, dass das Gebet zu einem reinen Selbstgespräch wird, das nur um sich selbst kreist. Eine weiterführende Definition wäre: Gebet ist Begegnung mit Gott. Dann ist Gebet mehr als ein Reden. Dann gehört zum Gebet auch das Hören, das Schweigen, die Stille als der Raum zu hören. Gott soll ja auch die Gelegenheit haben, in der Begegnung zu Wort zu kommen. Dann ist Gebet viel umfassender.                                                                             Diese Überlegungen zeigen, wie Recht der Theologe Karl Rahner hat. In seinem Buch „Von der Not und dem Segen des Gebets“ stellt er fest: „Wir wissen wirklich oft nicht, was Gebet ist, und wir können es darum oft nicht. Denn es gibt Dinge des Menschen, Taten des Herzen, von denen jeder glaubt, er kenne sie, weil alle davon reden, er kenne sie, weil sie doch offenbar sehr einfach sind. Aber die selbstverständlichsten und einfachsten Taten des Herzens sind die schwersten, und nur langsam lernt sie der Mensch. …. Und zu den einfachsten Taten des Herzens, den einfachsten und schwersten zugleich, gehören die Güte, die Selbstlosigkeit, die Liebe, das Schweigen, das Verstehen, die wahre Freude – und das Gebet.“  Das deutsche Wort beten leitet sich von bitten ab. Im hebräischen gibt es kein spezifisches Wort für Beten. Vielmehr wird das, was wir beten nennen konkreter genannt: bitten, danken, loben, klagen, preisen, anbeten und vieles mehr. Beten ist also viel umfassender als wir es auf des erste hin denken.  In der geistlichen Tradition gibt es einen vierfachen Gebetsweg: lectio – meditatio – oratio – contemplatio. Die intensive Lesung der heiligen Schrift führt zur Meditation, zur Betrachtung, dann zum mündlichen Gebet und dann zum stillen verweilen vor dem Angesicht Gottes. Die Reihenfolge lässt sich auch anders betrachten: vom mündlichen Gebet zur Meditation und dann zum Schweigen vor Gott, um die Tür zum inneren Tempel zu öffnen. Mit diesem Weg werden wir uns beschäftigen.

Fangen wir nun mit einem elementaren Gebet an, dem Stoßgebet. In der Internetseite „wissen de“ steht:

Auch in der heutigen Zeit spricht man noch vom Stoßgebet, das mancher in einer schwierigen Lage gen Himmel schickt, auch wenn er sonst nicht unbedingt zu den Gläubigen zählt. Ursprünglich war mit einem Stoßgebet (oder Stoßgebetchen, wie Luther es nannte) ein kurzes, oft nur aus wenigen Wörtern bestehendes Gebet gemeint, mit dem man sich an Gott wandte, um Beistand zu erflehen oder um sich ihm kurz mitzuteilen. In der heutigen Bedeutung „etwas in großer Not oder Angst erflehen, wünschen“ ist die Redensart auf den ersten Aspekt reduziert. 

Es ist also ein kurzes, rasch hervorgestoßenes Gebet. Vermutlich haben wir oft mehr ein Stoßgebet über unsere Lippen gebracht, als wir gedacht haben. Der Ruf Oh je, oh jemine ist solch ein Gebet. Es geht auf den lateinischen Ausdruck zurück: O jesu domine, o mein Herr Jesus. Diesen Ruf verwenden wir, wen n etwas schief gegangen ist, wenn sich ein Unglück ereignet hat, wenn  ich Pech gehabt habe, wenn ich große Sorgen habe. Ich halte dabei Gott meine Not hin, eröffne ihm meine Not. Dann fühle ich mich nicht mehr der Not ausgeliefert, sondern ich teile sie mit Gott. Geteiltes Leid ist schließlich halbes Leid. Auch das kann eine Wirkung des Gebets sein.  Ich schlage daher am ersten Tag unserer Exerzitien das Stoßgebet vor: „Heilige Corona, bitte für mich“. Das ist nun kein Witz. Es gibt eine heilige Corona!!! Sie lebte im zweiten Jahrhundert nach Christus. Sie war eine Märtyrerin. Als ein römischer Soldat namens Viktor auf Befehl eines römischen Statthalters in einer syrischen Stadt gemartert wurde, trat Corona mutig hervor und fing an, Viktor glücklich zu preisen. Ein Affront gegen den römischen Beamten. Dabei sah Corona zwei Kronen vom Himmel schweben, ihr eine und Viktor eine. Sie wurde vor den Statthalter geschleppt und bekannte mutig, dass sie eine Christin sei. Darauf ließ der Statthalter Corona grausam töten. Was uns Corona in dieser Krise lehrt: das Vertrauen, in der Hand Gottes zu sein. Sie war so mutig, weil Gott für sie Fels und Burg war, weil sie in innigem Vertrauen zu ihm stand. Da gibt sie uns heute ein Beispiel. Und ein weiterer Impuls: Corona hat nicht an sich gedacht, an ihr eigenes Überleben sondern an Viktor. Sie ist hervorgetreten, um ihm in seiner Not beizustehen und Mut zuzusprechen. Diese Tugend ist heute gefragt. Denken Sie an die Hamsterkäufe.   Das ist mit dem Ruf „Heilige Corona, bitte für uns (für mich).“ Warum nun zu einer Heiligen beten? Wir beten nicht zu den Heiligen, wir bitten sie um ihre Fürsprache bei Gott. Sie sind schon bei Gott. Daher denken wir, dass ihr Gebet unmittelbar vor ihn tritt. Natürlich können wir direkt zu Gott beten. Aber in Verbindung mit den Heiligen wird unser Glaube durch ein konkretes Glaubensbeispiel geerdet.

Ich schlage Ihnen daher folgende Übung vor: Nehmen Sie diesen Ruf immer wieder am Tag auf. In Pausenzeiten, wenn die Coronakrise in  ihnen ungute Gefühle hervorrufen. Vor der Schlange am Einkaufsmarkt. Durch diesen Ruf halten Sie Ihr Herz in der Gegenwart Gottes. Beobachten Sie einmal, wie oft am Tag Gott aus Ihrem Bewusstsein verschwindet. Das Gebet holt sie in die Gegenwart Gottes zurück. Das Stoßgebet ist dabei ein einfaches Mittel.

Idee zur heiligen Corona stammt von Pater Thomas Gertler auf der empfehlenswerte Homepage www.update-seele.de.

Zweiter Impuls 24.3.2020

Das Schauen

Nach der elementaren Übung des Stoßgebets befassen wir uns mit dem Schauen, der meditatio, also der Meditation. Ich möchte Ihnen dabei eine Übung anbieten, die ich in diesen Zeiten als hilfreich erachte. Zuerst aber denken wir kurz darüber nach: was ist Meditation? Von der Wortherkunft bedeutet meditari ermessen, geistig abmessen. Dementsprechend bedeutet meditieren „nachdenken, sinnend betrachten“. Der Blick geht daher vom Äußeren auf das Innere. Wer meditiert, schaut hinter die äußere Erscheinungsform. Das ging uns doch vermutlich allen so. Ich sehe einen wunderbaren Sonnenuntergang oder eine grandiose Naturerscheinung. Ich bin fasziniert, ich staune über die Schönheit, die mich anspricht. Ich nehme etwas Größeres wahr, das mich auf diese Weise anspricht: Gott. Meditieren ist Schauen über den Horizont. Meditierend kann ich auch die Bibel betrachten und erschließen. Nehmen Sie zum Beispiel die Erzählung der Geburt Jesu im zweiten Kapitel des Lukasevangeliums. Ich schaue auf das Geschehen im Stall in Betlehem. Ich sehe in meinem Innern das Kind in der Krippe, den Strohhalm in der Krippe, die Mutter, den heiligen Josef, die Hirten, die das Kind anbeten. Plötzlich geht mir auf, wie Gott sich und in diesem Kind ganz klein macht und uns Menschen die größtmöglichste Nähe schenkt. Ich staune, wie der große Gott sich erniedrigt um uns Menschen willen. Auf diese Weise wird die zeitliche Distanz zum biblischen Geschehen aufgehoben, es wird „gleichzeitig“. Was wir da tun, lässt sich so zusammenfassen: „Die Seele beginnt damit, die wissenschaftlich gefundene Wahrheit zu betrachten. Von da erhebt sie sich, durch die Gnade gezogen, bis zum Schauen göttlicher Wahrheit.“ (Paul Wolff)

In diesem Sinn kann ich ihnen die Übung von Anthony de Mello wärmstens empfehlen:

Die lebendige Flamme der Liebe

Komm zur Ruhe mit Hilfe einer Wahrnehmungsübung. Lass dir Zeit dabei…

Stell dir vor, dass du bis auf den tiefsten Grund deines Wesens herabsteigst, bis in deine Herzensmitte. Dort ist alles dunkel, doch gibt es dort eine Quelle, die zu Gott hinaufsprudelt. Oder stell dir vor, du findest dort eine lebendige Flamme der Liebe, die zu Gott hinaufsteigt….

Benenne nun die Quelle oder Flamme mit einem Wort oder einem kurzen Satz. Sprich ihn im Rhythmus der sprudelnden Quelle oder der aufsteigenden Flamme aus… etwa nur den Namen „Jesus“, „Abba“, oder „Komm, Heiliger Geist“, „Mein Gott und mein alles“…

Lausche, wie dieses Wort aus der Tiefe deines Wesens steigt. Sprich es nicht mir den Lippen aus. Du hörst es schwach, als komme es von weit  her, aus der Tiefe deines Wesens ……

Stelle dir nun vor, dass der Laut des Wortes wächst und allmählich dein ganzes Wesen ausfüllt, so dass du es im Kopf, in der Brust, im Magen hörst, in deinem ganzen Körper …

Dann stelle dir vor, dass der Laut den ganzen Raum erfüllt, die gesamte Umgebung. Er wächst weiter und erfüllt schließlich die Erde, den Himmel, bis das ganze Universum vom Wort, das aus deinem Innern aufsteigt, widerhallt ……

Ruhe in diesem Wort … sprich es nun selbst liebevoll aus.

Ich ergänze: das Wort, genährt aus der lebendigen Flamme der Liebe, erfüllt die Corona verseuchte Umgebung und die in Panik verfallenden Menschen. Ich lade Sie zu dieser Übung herzlich ein.

Dritter Impuls 25.3.2020

Ein Ausblick auf Weihnachten

Heute in neun Monaten feiern wir Weihnachten! Daran denken wir gerade am wenigsten. Aber dieser Ausblick hat seinen Sinn. Weihnachten ist ja das Fest der Menschwerdung Gottes. Menschwerdung ist für uns ein lebenslanger Auftrag. Der frühere Bischof von Limburg Franz Kamphaus hat das auf den Punkt gebracht: „Mach’s wie Gott: werde Mensch!“ Das gilt doch gerade in diesen Tagen: Mensch zu sein im Vertrauen, dass Gott sein Leben mit uns teilt und alle unsere Wege mit uns geht. Heute, neun Monate vor dem Fest der Geburt Jesu schauen wir auf den Anfang des Projektes der Menschwerdung Gottes. Wir feiern das Fest der Verkündigung des Herrn. Maria empfängt vom Engel die Botschaft, dass sie auserwählt ist, die Mutter des Herrn zu werden. Schauen wir auf den Text und betrachten ihn:

Lukas 1,26-38

26 In jener Zeit wurde der Engel Gábriel
von Gott in eine Stadt in Galiläa namens Nazaret
27 zu einer Jungfrau gesandt.
Sie war mit einem Mann namens Josef verlobt,
der aus dem Haus David stammte.
Der Name der Jungfrau war Maria.
28 Der Engel trat bei ihr ein
und sagte: Sei gegrüßt, du Begnadete,
der Herr ist mit dir.
29 Sie erschrak über die Anrede
und überlegte, was dieser Gruß zu bedeuten habe.
30 Da sagte der Engel zu ihr: Fürchte dich nicht, Maria;
denn du hast bei Gott Gnade gefunden.
31 Siehe, du wirst schwanger werden
und einen Sohn wirst du gebären;
dem sollst du den Namen Jesus geben.
32 Er wird groß sein
und Sohn des Höchsten genannt werden.
Gott, der Herr, wird ihm den Thron seines Vaters David geben.
33 Er wird über das Haus Jakob in Ewigkeit herrschen
und seine Herrschaft wird kein Ende haben.
34 Maria sagte zu dem Engel:
Wie soll das geschehen, da ich keinen Mann erkenne?

35 Der Engel antwortete ihr:
Heiliger Geist wird über dich kommen
und Kraft des Höchsten wird dich überschatten.
Deshalb wird auch das Kind heilig
und Sohn Gottes genannt werden.
36 Siehe, auch Elisabet, deine Verwandte,
hat noch in ihrem Alter einen Sohn empfangen;
obwohl sie als unfruchtbar gilt,
ist sie schon im sechsten Monat.
37 Denn für Gott ist nichts unmöglich.
38 Da sagte Maria:
Siehe, ich bin die Magd des Herrn;
mir geschehe, wie du es gesagt hast.
Danach verließ sie der Engel.

Einige Beobachtungen zum Text:

Der Gruß des Engels: „Sei gegrüßt, du Begnadete“ lässt sich auch anders übersetzen: „Freue dich“, „sei froh“, du Begnadete.“ So grüßten sich in der Antike die Griechen. D.h. der Gruß des Engels weitet sich von den Juden ausgehend in die ganze Welt. Der ganzen Welt gilt dieser Gruß und nicht nur dem ursprünglich auserwählten Volk Gottes Israel. In Maria weitet Gott die Erwählung auf die ganze Welt aus.

Der Gruß nimmt eine prophetische Verheißung Gottes an das Volk Israel im Buch Zefanja auf: „Freu dich, Tochter Zion; der Herr ist mit dir und wird in dir Wohnung nehmen.“ Dieses Wort wird persönlich zu Maria gesagt. Eine Frau ist also jetzt Repräsentantin für das Volk Israel und wie Abraham im Alten Testament Urbild des Glaubens!

Maria erschrickt über die Anrede des Engels. Wann immer ein Engel Menschen eine Botschaft überbringt, löst das Furcht und Schrecken aus. Das Erscheinen eines Engels sprengt erst einmal den Rahmen des Gewöhnlichen. Daher ist die Antwort des Engels immer die gleiche: „Fürchte dich/fürchtet euch nicht!“

Wir betrachten den Text:

Mit dieser Erzählung beginnt biblisch gesehen ein neues Zeitalter, in dessen Mittelpunkt Jesus Christus steht. Gott erwählt keine Königin, keine Angehörige des Priestergeschlechte, keine Fürstin, keine Prominente, sondern eine einfache Frau aus dem Provinzdorf Nazareth in einer abgelegenen Provinz des römischen Weltreichs. Ganz diskret beginnt Gott ein neues Zeitalter.

Maria ist die Begnadete. Wann immer Gott einen Menschen erwählt, ist seine Gnade voraus. „Du kommst unserem Tun mit deiner Gnade zuvor“, so lautet ein Buchtitel der Theologen Paul Zulehner und Karl Rahner. Das trifft genau unsere Erzählung. Da Maria Urbild des Glaubens ist, ist auch uns das zugesagt. Wir sind durch die Taufe von Gott auserwählt. Wir sind „Begnadete“. Überlegen Sie, was das uns gerade heute bedeutet!

Freilich bedarf es auch unserer Zustimmung zu dem Gnadenangebot Gottes. Die erteilt Maria mit dem Wort: „Siehe ich bin die Magd des Herrn; mir geschehe, wie du gesagt hast.“ Maria lädt uns ein, diese Ja auszusprechen, so schwierig es auch sein mag.

„Fürchte dich nicht“, sagt der Engel. Papst Benedikt deutet das Wort so: „Fürchte dich nicht. Du trägst Gott, aber Gott trägt dich.“ Auch uns ist das gesagt!

„Maria überlegte, was dieser Gruß zu sagen hat.“ Sie lässt das Wort des Engels in ihrem Herzen wirken, sie meditiert!

Die Bezeichnung „Jungfrau“ dürfen wir nicht auf die Biologie reduzieren. Jungfrau bedeutet Empfänglichkeit, Offenheit, Hörbereitschaft. Maria öffnet sich voll und ganz, ohne Wenn und Aber dem Wort Gottes. Sie macht uns Mut, auf Gott einzulassen. (Impulse zu dieser Betrachtung stammen von Papst Benedikt XVI aus dem Buch „Öffnen wir unser Herz, Benno Verlag.)

Warum diese Betrachtungen? Sie sind auch Gebet! Und können zum Gebet führen. Die Betrachtungen bringen uns das Wort Gottes nahe und lassen uns ihm begegnen.                               Und eine überraschende zweite Antwort. Am vergangenen Samstag, 20.3. erschien in der Esslinger Kreiszeitung auf der Seite 29 ein Artikel „Zuflucht und Trost in der Literatur“ von Sabine Glaubitz“. Er betrachtet literarische Werke zum Thema „Epidemie“. Da heißt es am Schluss: „Die Menschen suchen Zuflucht in der Literatur, um sich ein erzählerisches Bild zu machen und dadurch besser mit der Situation zurecht zu kommen.“

Besser lässt es sich nicht sagen. Das gilt doch genauso für die biblischen Erzählungen! Gerade heute. Darum werden bis Sonntag weiter biblische Betrachtungen folgen.

Vorschlag zur Übung:

Wir wiederholen die Übung von gestern. In Maria ist doch die lebendige Leibesflamme aufgelodert und hat die ganze Welt erleuchtet.

Fünfter Impuls 27.3.2020

Bildmeditation

herz.jpg

Betrachten Sie das Bild mit dem Stein. Lassen Sie es kurz auf sich wirken.

Ein Stein. Kantig, eckig. Auf er einen Seite eine raue Oberfläche, auf der anderen Seite glatt. Er hat eine ansehnliche Größe. Würde ich ihn auf andere werfen, hätte das eine Verletzung zur Folge. Er wurde vermutlich bearbeitet oder die Natur hat ihn geschliffen. Es ist deutlich zu erkennen, dass er die Form eines Herzen hat. Das ist für mich ein Sinnbild. Zum einen für Menschen, von denen wir sagen: harte Schale, weicher Kern. Die harte Schale ist ein Schutzschild für die Verletzlichkeit des Herzens. Er ist für mich auch ein Symbol für Gott. In zweierlei Hinsicht. Gott erfahren wir bisweilen als ein schmerzliches  unüberwindliches Geheimnis. Oft genug können wir sein Handeln nicht verstehen. Besonders bei Schicksalsschlägen, die uns treffen können. Oft fragen wir: wo warst Du, wo bist Du? Da erweist sich das Geheimnis Gottes wie ein Stein. Aber es gibt die andere Seite, die uns Einblick in sein Herz gibt.  In den Psalmen heißt es immer wieder: du bist mein Fels und meine Burg. Ein Fels ist ein sicherer, fester Grund. Er schützt. Darum heißt es in Psalm 62,3: „Du bist mein Fels und meine Burg, darum werde ich nicht wanken.“ Genau in dieser Spannung steht der Glaube an Gott! Manches Mal erleben wir sein Geheimnis als undurchdringlich hart. Manches Mal ist er wie ein schützender Fels. Genau diese Spannung kommt in unserem Bibeltext vor:

Exodus 17,3-7

In jenen Tagen 3dürstete das Volk nach Wasser und murrte gegen Mose. Sie sagten: Warum hast du uns überhaupt aus Ägypten hierher geführt? Um uns, unsere Söhne und unser Vieh verdursten zu lassen? 4Mose schrie zum Herrn: Was soll ich mit diesem Volk anfangen? Es fehlt nur wenig, und sie steinigen mich. 5Der Herr antwortete Mose: Geh am Volk vorbei, und nimm einige von den Ältesten Israels mit; nimm auch den Stab in die Hand, mit dem du auf den Nil geschlagen hast, und geh! 6Dort drüben auf dem Felsen am Horeb werde ich vor dir stehen. Dann schlag an den Felsen! Es wird Wasser herauskommen, und das Volk kann trinken. Das tat Mose vor den Augen der Ältesten Israels. 7Den Ort nannte er Massa und Meriba (Probe und Streit), weil die Israeliten Streit begonnen und den Herrn auf die Probe gestellt hatten, indem sie sagten: Ist der Herr in unserer Mitte oder nicht?

Beobachtungen zum Text

Gott hatte Israel aus der Knechtschaft Ägyptens befreit. Nun geht der Weg durch die Wüste. Wüste bedeutet bekanntlich Entbehrung. Gefahr für Leib und Leben. Hitze am Tag, Hunger und Durst. Wassermangel, Lebensmittelknappheit. Ab Kapitel 15 im Buch Exodus wird uns ständig  geschildert, wie das Volk unter der Entbehrung ständig gegenüber Gott murrt. Eine Quelle hat schlechtes Wasser. Die Lebensmittel gehen aus. Das Volk lässt sich zu der Aussage verleiten: Wären wir doch in Ägypten geblieben. Da hatten wir genügend zu essen Und immer wieder schafft Gott trotzdem durch die Hand von Mose Abhilfe. In unserem Text ist der traurige Höhepunkt erreicht. Als wieder das Wasser ausgeht, droht Mose die Steinigung.

In seiner Not macht Mose das einzig richtige. Er wendet sich an seinen Vorgesetzten, an Gott. Der bleibt auffällig ruhig und „cool“. Ganz unaufgeregt ohne Vorwürfe zeigt er Mose die Lösung: Geh zum Felsen drüber am Berg Horeb. „Dort werde ich vor dir stehen. Dann schlag auf den Felsen. Es wird Wasser herauskommen.“ Die Lösung liegt außerhalb des Volkes. Mose nimmt nur die Ältesten als Zeugen mit.

Gott steht vor dem Felsen. Erinnern wir uns an das Psalmwort: du bist mein Fels und meine Burg.

Hüten wir uns davor, diese Szene als übernatürliches Wunder anzusehen. Bei einer Sinaireise vor vierzehn Jahren habe ich es selbst gesehen, dass Wasser aus einem Felsen kam. Dann besteht das Wunde darin, dass das Volk zur rechten Zeit am rechten rettenden Ort war. Man kann das eine Fügung Gottes nennen.

Betrachtung des Textes

Wir können den Text aus zwei Perspektiven betrachten: Aus der Sicht Mose ist das Volk völlig undankbar und völlig von der Rolle. Mose hatte sich unter Lebensgefahr ins Zeug gesetzt, um sein Volk zu befreien. Und er bekommt nur Murren zu hören. Das gehört wohl auch zu einer Führungsrolle: du kannst es nicht allen recht machen.  Aus der Sicht des Volkes aber besteht Lebensgefahr. Die Wüste ist ein lebensbedroh-licher Ort. Wassermangel, Nahrungsmangel, kein vorgebahnter Weg. An jedem Tag ist die Not neu. Es nützt heute nichts, wenn du gestern genährt wurdest. An jeder Ecke lauern Gefahren.

Hier aber hat das Volk die Rechnung ohne Gott gemacht. Er ist ein mitgehender Gott, immer dem Volk wie ein Pionier und Kundschafter voraus. Darum fragt sich das Volk: „Ist der HERR in unserer Mitte oder nicht?“ Das klingt angesichts der Vorgeschichte merkwürdig und völlig daneben. Aber in diesem Fall müssen wir nüchtern konstatieren: Gott ist tatsächlich nicht in der Mitte des Volkes. Aus einem nachvollziehbaren Grund: Gott lässt sich nicht festlegen. Das Volk kann nicht über ihn verfügen. Es kann nicht definieren, was  und wo die Mitte ist. Der Ort der Gottesbegegnung ist also überall – nur an einem Ort nicht: in der Mitte. Das hebräische Wort für Mitte geht auf die Grundform qrb zurück, das «sich nähern», «nahe herantreten» bzw. «nahebringen» bedeutet. Das Substantiv meint auch «Eingeweide», «Inneres», «feindliche Annäherung» und «Kampf». Was ist damit über Gott ausgesagt, der nicht in der Mitte ist? Er bleibt in Distanz, bleibt unverfügbar, letztlich ein Geheimnis.“  (Peter Zürn)

Und doch bleibt Gott dabei gelassen. Er gibt dem Volk, was es braucht. Aus dem Fels seines Geheimnisses strömt das Wasser des Lebens. Er zeigt Herz an dem Ort, den er sich aussucht, zu dem Zeitpunkt, den er für den richtigen hält.

Fazit

Wir können unsere Situation als einen Weg durch die Wüste bezeichnen. Es ist überall zu sehen. Es gibt keine vorgefertigten Lösungsstrategien. Wir müssen auf neue Weise Kontakt mit den Menschen suchen. Da gilt es, neues zu versuchen. Da darf auch manches schief gehen. Da gehört Irrtum mit zur Sache. Die Lösung liegt auch hier außerhalb unserer bisherigen Gewohnheiten und Handlungsweisen. Nur eines geht nicht: auf der Stelle bleiben. Gott ist auf dem Weg durch die Wüste ein Stück voraus. Die Lösung kommt, aber an dem Ort und an dem Zeitpunkt, der für Gott der richtige ist. Gott öffnet aus dem harten Geheimnis sein Herz, er schenkt das Wasser des Lebens, aber außerhalb unseres Verfügungsbereiches. Wir dürfen vertrauen, er ist auf unserem Weg, aber sin Stück voraus. Wir haben Kundschafterdienste zu verrichten.

Wir wiederholen die Übung von gestern

Hinweise zu diesem Impuls habe ich entnommen aus: Peter Zürn, Gott ist nicht in unserer Mitte, www.bibelwerk.ch/dm68597.

Dipl.-Theol. Michael Niezborala, www.bibelwerk.de Sonntagslesungen, 3. Sonntag der österlichen Bußzeit.

Herzlichen Dank an Herr Pastoralassistent Stephan Walter für seine technische Hilfe. Foto von Ulrike Ferrari.

Fotsetzung über unsere neue Seite: www.meinkonrad.de


 

 

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